Probiotika für Erwachsene und Kinder: Was die Studienlage und Praxis wirklich sagt
Autorin Maxima Retzlaff
Probiotika sind lebende Mikroorganismen, die eine wichtige Rolle in unserem Körper spielen. Einige davon kommen auch natürlicherweise im menschlichen Organismus vor. Vor allem in unserem Darm sind sie in großer Zahl vertreten. Dort haben sie Einfluss auf Verdauung, Darmbarriere und Immunsystem. Die Darmflora entwickelt sich besonders stark in den ersten Lebensjahren und bleibt im Erwachsenenalter meist stabiler. Durch die große Vielfalt der Studien sind einheitliche Empfehlungen schwierig, in einigen Situationen kann der Einsatz aber sinnvoll sein. Das führt bei Eltern und Patientinnen und Patienten oft zu Unsicherheit. Bei der praktischen Anwendung von Supplementen sind deshalb einige Punkte zu beachten. Bei Erwachsenen und Kindern können solche Präparate in bestimmten Situationen zur Unterstützung der Darmflora eingesetzt werden. Entscheidend ist, welcher Stamm in welcher Dosierung und bei welchem Anlass verwendet wird. Grundsätzlich sollte die Darmflora vor allem durch eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung unterstützt werden.
Inhaltsverzeichnis
- Mikrobiom vs. Mikrobiota: die wichtigsten Begriffe und Grundlagen
- Infobox: Was ist der Unterschied zwischen Mikrobiom und Mikrobiota?
- Wichtige Funktion der Darmflora verstehen
- Infobox: Was bedeutet Dysbiose?
- Was sind Probiotika und wie wirken sie?
- Wie entwickelt sich die Darmflora bei Kindern?
- Was kann die Entwicklung der gesunden Darmflora stören?
- Wann können Probiotika helfen?
- Infobox: Probiotika, Präbiotika und Synbiotika
- Sind Probiotika sicher?
- Für wen sind Probiotika nicht geeignet?
- Probiotika in Lebensmitteln: gut zu wissen für die tägliche Anwendung
- Infobox: Probiotisch oder präbiotisch?
- Welche probiotischen Bakterienstämme gibt es?
- Welche probiotischen Bakterienstämme gibt es?
- Worauf soll man beim Kauf von Präparaten mit probiotischen Bakterien achten?
- Infobox: Nahrungsergänzungsmittel sind keine Arzneimittel
- Darmflora und probiotische Bakterien bewusst unterstützen
- 9 praktische Tipps zur Unterstützung der Darmflora
- Häufige Fragen zu Probiotika
Mikrobiom vs. Mikrobiota: die wichtigsten Begriffe und Grundlagen
Für ein besseres Verständnis von probiotischen Mikroorganismen ist es wichtig, die zentralen Begriffe klar voneinander zu unterscheiden. Denn nicht jedes Bakterium im Darm ist automatisch ein Probiotikum. Begriffe wie Darmflora, Mikrobiom, Probiotika, Präbiotika und Dysbiose werden häufig gemeinsam verwendet, beschreiben aber unterschiedliche Dinge. Wer diese Unterschiede kennt, kann besser einordnen, was probiotische Kulturen sind, wie sie sich von körpereigenen Darmbakterien unterscheiden und warum eine veränderte Darmflora nicht automatisch krankhaft sein muss.
Unser Mikrobiom ist die Gesamtheit aller Mikroorganismen in unserem Körper, also aller Bakterien, Viren und Pilze. Fachlich wird häufig zwischen Mikrobiota und Mikrobiom unterschieden: Die Mikrobiota bezeichnet die Mikroorganismen selbst. Das Mikrobiom meint im weiteren Sinn die Mikroorganismen zusammen mit ihren Genen, Stoffwechselprodukten und ihrer Umgebung. Im Alltag werden beide Begriffe oft ähnlich verwendet.
All diese Mikroorganismen beeinflussen das Immunsystem und den Stoffwechsel. Das Mikrobiom jedes Menschen ist verschieden, besteht aber zu großen Teilen aus Bakterien. Die Zusammensetzung ist auch je nach Körperregion unterschiedlich. Zum Beispiel sind Darm, Haut, Lunge, Mund und Urogenitaltrakt unterschiedlich besiedelt. Grob kann man Menschen in verschiedene Enterotypen, also Besiedlungsgruppen, einteilen. Diese hängen unter anderem mit langfristigen Ernährungsgewohnheiten zusammen.
Infobox: Was ist der Unterschied zwischen Mikrobiom und Mikrobiota?
Mikrobiota meint die Mikroorganismen selbst. Mikrobiom beschreibt zusätzlich ihre Gene, ihre Stoffwechselaktivität und ihr Zusammenspiel mit dem Körper. Für Verbraucher ist wichtig: Es geht nicht nur darum, welche Bakterien vorhanden sind, sondern auch darum, was sie im Darm tun.
Wichtige Funktion der Darmflora verstehen
Die Darmflora ist kein einzelner Mikroorganismus im Darm, sondern ein komplexes Ökosystem aus vielen unterschiedlichen Bakteriengruppen. Darmbakterien können durch ihre Zusammensetzung Verdauung, Schleimhautbarriere und Immunreaktionen beeinflussen.
Alle Mikroorganismen im Darm machen die Darmflora aus, ungefähr 38 bis 100 Billionen. Zu großen Teilen besteht sie aus verschiedenen Bakteriengruppen, darunter Enterobacteriaceae, Enterokokken, Bacillus-Spezies und Bacteroides. Geburt, Lebensstil, Alter und Umwelt wirken sich auf die Zusammensetzung aus. Die Darmflora hat eine Vielzahl von Aufgaben: Sie beeinflusst Stoffwechselwege, verdrängt pathogene, also krankheitserregende Keime, ist an der Immunmodulation beteiligt und trägt zur Barrierefunktion der Schleimhaut bei.
Wenn das Mikrobiom im Ungleichgewicht ist, nennt man das Dysbiose. Das kann verschiedene Ursachen haben, zum Beispiel Mangelernährung, Stress, Antibiotika, Immunsuppression oder andere Erkrankungen. Dieses Ungleichgewicht kann dazu führen, dass nützliche Keime verdrängt werden und sich ungünstige Keime stärker vermehren.
Infobox: Was bedeutet Dysbiose?
Dysbiose bedeutet, dass die Zusammensetzung oder Aktivität der Darmflora aus dem Gleichgewicht geraten ist. Das ist keine eigenständige Diagnose, sondern beschreibt einen Zustand, der bei verschiedenen Belastungen auftreten kann, zum Beispiel nach Antibiotika, bei Infekten oder bei stark einseitiger Ernährung.
Was sind Probiotika und wie wirken sie?
Probiotika sind lebende probiotische Mikroorganismen, die bei ausreichender Menge und entsprechendem Einsatz eine gesundheitliche Einwirkung durch die Aufnahme im Darm auf den Körper haben können. Ihre Einwirkung ist jedoch nicht allgemein auf alle Beschwerden gleich.
Bestimmte Probiotika-Stämme als lebende Mikroorganismen können die pathogenen Keime im Darmtrakt verdrängen. Das machen sie unter anderem, indem sie Andockstellen im Darm besetzen und Stoffe produzieren, die ungünstige Keime hemmen können. Sie können einen positiven Effekt auf die Darmbarriere haben und damit Entzündungsprozesse beeinflussen oder Dysbiosen abschwächen. Durch ihre Wirkung am Immunsystem können sie Reaktionen hervorrufen und die Produktion bestimmter Immunglobuline stimulieren. Die in Studien am häufigsten verwendeten Gattungen sind Lactobacillen und Bifidobakterien, es gibt jedoch noch viele weitere.
Gerade deswegen ist die Studienlage sehr uneinheitlich und nicht immer übersichtlich. In vielen Einsatzbereichen ist ein Nutzen noch nicht ausreichend bewiesen. Fachgesellschaften betonen deshalb, dass probiotische Bakterien möglichst nach Stamm, Dosierung und Anwendungsgebiet bewertet werden sollten.
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mehrWie entwickelt sich die Darmflora bei Kindern?
Die Darmflora entwickelt sich besonders dynamisch in den ersten Lebensjahren bei Babys und Kindern. Ernährung, Geburtsmodus, Antibiotika und Umweltkontakte können beeinflussen, wie schnell und vielfältig sich das kindliche Mikrobiom entwickelt.
Phase 1: 3–14 Monate – die Säuglingsflora
Die erste Entwicklungsphase findet im Alter von 3 bis 14 Monaten statt. Sie ist eher durch eine geringere Diversität gekennzeichnet. Zum Großteil befinden sich Bifidobakterien im Darm, gerade bei gestillten Säuglingen.
Phase 2: 15–30 Monate – die Übergangsphase
Die zweite Phase ist vor allem durch eine hohe Diversität gekennzeichnet. Diese Übergangsphase findet im 15. bis 30. Lebensmonat statt. Entscheidend für die Zusammensetzung ist vor allem die Ernährung. Durch den Übergang zu fester Nahrung und das Abstillen siedeln sich vermehrt Bakterien der Lachnospiraceae-Familie an.
Phase 3: 31–46 Monate – die stabile Phase
Die letzte Phase wird auch als stabile Phase bezeichnet und verläuft während des 31. bis 46. Lebensmonats. Die Wachstumsrate von Bakterien verlangsamt sich und die Zusammensetzung der Darmflora wird stabiler. Der Übergang vom kindlichen ins erwachsene Mikrobiom erfolgt gegen Ende des dritten bis fünften Lebensjahres.
Was kann die Entwicklung der gesunden Darmflora stören?
In Studien wurde die Entwicklung mittels Stuhlproben untersucht. Die Kinder wurden von Geburt an bis zum zweiten Lebensjahr begleitet. Es wurde herausgefunden, dass bestimmte Faktoren die Entwicklung verzögern können und mit einer reduzierten Diversität verbunden sind. Dazu gehören wiederholte Antibiotikagabe, Geburt per Kaiserschnitt und Ernährung mit Säuglingsnahrung. In einer weiteren Studie wurde Folgendes entdeckt: Durch wiederholte Antibiotikagabe können temporäre Resistenzen kurz nach der Therapie entstehen. Diese waren jedoch nur vorübergehend, und das Mikrobiom entwickelte sich stetig weiter und stabilisierte sich in seinem Aufbau.
Wann können Probiotika helfen?
Probiotische Bakterienstämme sollten immer anlassbezogen betrachtet werden. Entscheidend sind der konkrete Stamm, die Dosierung, die Studiensituation und die Frage, ob sie vorbeugend oder begleitend eingesetzt werden.
Laktoseintoleranz
Einige Milchsäurebakterien könnten relevant für die Behandlung einer Laktoseintoleranz werden. Durch ihre mikrobielle Enzymaktivität in fermentierten Milchprodukten können sie Symptome lindern. Lactobacillus acidophilus und Lactobacillus reuteri zeigten in Studien eine Verbesserung von Laktoseintoleranz-Symptomen bei Probanden. Lactobacillus plantarum enthält zum Beispiel ein Protein, das Laktose selbst verstoffwechseln kann. Auch Bifidobakterien wurden im Hinblick auf Laktoseintoleranz untersucht. Bifidobacterium animalis zeigte in Studien eine signifikante Verringerung der ausgeatmeten Wasserstoff-Atemkonzentration. Im Vergleich zur Laktase, die konventionell zur Therapie eingesetzt wird, war der Effekt nicht schlechter. Die aktuelle Studienlage reicht jedoch nicht aus, um einen routinemäßigen Einsatz zu empfehlen.
Heuschnupfen
Bei allergischen Erkrankungen wird untersucht, ob probiotische Bakterienkulturen über das Immunsystem und die Darm-Schleimhaut-Achse einen unterstützenden Effekt haben können. Die Ergebnisse sind jedoch je nach Stamm und Studienaufbau unterschiedlich.
Heuschnupfen, auch allergische Rhinitis genannt, ist eine entzündliche Reaktion der Schleimhaut auf bestimmte Auslöser. In Studien konnte eine signifikante Symptomlinderung und eine Verbesserung der Lebensqualität bei Heuschnupfen nachgewiesen werden. Besonders wirksam waren dabei Lactobacillus-paracasei-Stämme, aber auch Multistamm-Probiotika aus Bifidobakterien und Lactobacillen. Die Wirksamkeit bei Kindern wurde ebenfalls untersucht. Die Ergebnisse waren: weniger Symptome, eine höhere Lebensqualität und eine kürzere Cetirizin-Anwendungsdauer. Cetirizin ist ein Antihistaminikum und wird zuverlässig zur Therapie bei Heuschnupfen eingesetzt. Dabei sollte die Probiotikagabe als zusätzliche Therapie betrachtet werden und nicht als Ersatz für etablierte Therapien. Es gibt keinen sicheren Anhaltspunkt dafür, dass Probiotika präventiv gegen Heuschnupfen helfen.
Neurodermitis
Bei Neurodermitis ist die vorbeugende Anwendung besser untersucht als die Behandlung einer bereits bestehenden Erkrankung. Dennoch sind die Ergebnisse nicht einheitlich.
Bei Neurodermitis ist die präventive Probiotika-Therapie besser belegt als die Therapie einer bestehenden Erkrankung. Eine Analyse aus dem Jahr 2023 bestätigte eine Reduktion atopischer Dermatitis bei Säuglingen durch die Gabe bei Schwangeren und stillenden Müttern. Eine aktuelle Analyse aus dem Jahr 2025 zeigt jedoch widersprüchliche Ergebnisse. Auch hier waren die Effekte stammspezifisch. Besonders wirksam zur Prävention waren Multistamm-Probiotika und Lactobacillus-paracasei-Stämme.
Genauer formuliert ist in diesem Zusammenhang häufig eine Kombination aus Probiotika und Präbiotika gemeint. Solche Kombinationen werden Synbiotika genannt. Probiotika liefern lebende Mikroorganismen. Präbiotika sind unverdauliche Nahrungsbestandteile, die bestimmten nützlichen Darmbakterien als Nährstoff dienen können. Synbiotika kombinieren beide Ansätze. Ob ein solcher Einsatz sinnvoll ist, hängt von Risiko, Alter, Produkt, Stammzusammensetzung und Studienlage ab.
Infobox: Probiotika, Präbiotika und Synbiotika
Probiotika sind lebende Mikroorganismen. Präbiotika sind Nahrungsbestandteile, die nützliche Darmbakterien fördern können. Synbiotika kombinieren Probiotika und Präbiotika.
Asthma
Bei Asthma wird diskutiert, ob eine Veränderung des Darmmikrobioms auch Immunprozesse in den Atemwegen beeinflussen kann. Klinisch ist dieser Ansatz bisher nicht ausreichend belegt.
Asthma bronchiale ist eine chronisch entzündliche Erkrankung der Atemwege. Die Bronchien reagieren auf bestimmte Reize und verengen sich. Dadurch kann plötzliche Atemnot entstehen. Die Überlegung hinter der Probiotika-Therapie bei Asthma ist folgende: Durch die Gabe soll sich das Mikrobiom im Darm verändern. Dadurch soll eine Modulation, also eine Veränderung des Immunsystems, erreicht werden. Bisher konnte dieser Nutzen klinisch nicht ausreichend belegt werden. Deshalb wird der Einsatz von probiotischen Bakterienstämmen zur Asthma-Behandlung derzeit nicht empfohlen.
Antibiotikaassoziierte Durchfälle
Eine der besser untersuchten Anwendungen ist die Vorbeugung von Durchfällen während oder nach einer Antibiotikatherapie. Trotzdem sollte der Einsatz gezielt und nicht pauschal erfolgen.
Manche probiotischen Bakterienstämme zeigen gute Evidenz bei durch Antibiotika verursachten Durchfallerkrankungen. Gerade Multistamm-Probiotika können Effekte auf das Darmmikrobiom zeigen, wenn sie während und nach der Antibiotikatherapie eingenommen werden.
Studien zeigen, dass in drei von fünf Fällen die Einnahme von probiotischen Bakterienstämmen zu einer vorübergehenden Erhöhung der mikrobiellen Vielfalt führen kann, die nach etwa einem Monat nicht mehr nachweisbar ist.
Probiotische Bakterien bewirken also meist keine nachhaltige Veränderung der Mikrobiomzusammensetzung. Empfohlen wird der Einsatz vor allem dann, wenn bestimmte Antibiotika zum Einsatz kommen, zum Beispiel Cephalosporine, Clindamycin oder Aminopenicilline. Zur Prävention von antibiotikaassoziierten Durchfallerkrankungen wird bei Kindern in bestimmten Situationen eine hohe Dosis von Lactobacillus rhamnosus oder Saccharomyces boulardii zeitgleich mit dem Beginn der Antibiotikatherapie diskutiert. In einer Cochrane-Auswertung zu Kindern wurde gezeigt, dass Probiotika die Häufigkeit antibiotikaassoziierter Durchfälle senken können.
Magen-Darm-Schleimhautentzündung
Bei akuter Gastroenteritis steht die ausreichende Flüssigkeitszufuhr im Vordergrund. Probiotische Kulturen können in einzelnen Studien hilfreich erscheinen, sind aber nicht für alle Kinder und Situationen routinemäßig empfohlen.
Unter akuter Gastroenteritis versteht man die Entzündung von Magen- und Darmschleimhaut durch meist Viren oder Bakterien. Aktuell gibt es keine einheitliche Empfehlung für einen routinemäßigen Einsatz von Probiotika. Die Studienlage ist zu schwach und zu widersprüchlich, um allgemein gültige Empfehlungen zu machen. Trotzdem werden probiotische Stämme verwendet, um die Häufigkeit und Länge von Durchfallepisoden zu senken. In einer aktuellen Studie aus dem Jahr 2025 wurde bei Kindern die Wirkung von bestimmten probiotischen Bakterien bei akuter Gastroenteritis untersucht. Dabei zeigte sich, dass sich Länge und Häufigkeit der Durchfälle signifikant senken ließen. In einer anderen Studie kristallisierte sich besonders Saccharomyces boulardii als wirksam heraus.
Reizdarmsyndrom
Beim Reizdarmsyndrom können Probiotika für einzelne Betroffene hilfreich sein. Die Wirkung ist aber individuell unterschiedlich und hängt vom eingesetzten Stamm ab.
Das Reizdarmsyndrom ist eine chronische Erkrankung, bei der es immer wieder zu Durchfall, Schmerzen, Verstopfung und Blähungen kommt. Es ist eine Ausschlussdiagnose, bei der organische Ursachen weitestgehend ausgeschlossen wurden. In Studien konnte gezeigt werden, dass Lactobacillus rhamnosus Symptome der Erkrankung senken kann. In der Studie wurde das Probiotikum täglich für 4 Wochen eingenommen. Gerade bei Kindern unter zehn Jahren waren die Effekte besonders deutlich. Die Häufigkeit und Stärke der Schmerzen konnten reduziert werden.
Krebsbegleitende Therapieeinsätze
Bei Krebserkrankungen dürfen Probiotika nicht als krebshemmende Behandlung verstanden werden. Untersucht wird vor allem, ob sie bestimmte Nebenwirkungen oder Infektionsrisiken begleitend beeinflussen können.
Mit antikanzerogener Wirkung beschreibt man Stoffe, die die Entstehung oder das Fortschreiten von Krebs verhindern könnten. In großen Studien konnten keine direkten Effekte auf die Entstehung und Entwicklung von Krebszellen bei Menschen nachgewiesen werden. Probiotika können theoretisch Tumorzellen beeinflussen. Die Daten stammen jedoch überwiegend aus In-vitro-Studien, also Studien im Reagenzglas, oder aus Tiermodellstudien.
Die stärkste klinische Evidenz bei Menschen besteht in der Verringerung von Infektionen vor Operationen und in der Minderung bestimmter Chemotherapie-Nebenwirkungen. Bei Patientinnen und Patienten mit kolorektalen Karzinomen zeigten sich folgende Verbesserungen: erhöhte Lebensqualität, verringerte Infektionsrate nach Operationen, eine erhöhte Diversität im Mikrobiom und entzündungshemmende Wirkung. Hier müssen aber immer eine ärztliche Untersuchung und eine fachliche Empfehlung eingeholt werden.
Sind Probiotika sicher?
Für gesunde Menschen gelten viele Probiotika als gut verträglich. Dennoch handelt es sich um lebende Mikroorganismen, weshalb Risiken bei bestimmten Personengruppen beachtet werden müssen.
In großen Metaanalysen mit insgesamt mehreren tausend Teilnehmerinnen und Teilnehmern konnten keine häufigen schwerwiegenden Nebenwirkungen durch Probiotika verzeichnet werden. Die häufigsten milden Nebenwirkungen sind Hautausschläge, Übelkeit, Blähungen und Verstopfung. Jedoch sollte man bestimmte potenzielle Risiken nicht außer Acht lassen. Da es sich um lebende Organismen handelt, gibt es theoretisch das Risiko einer systemischen Infektion. Bakterien oder Hefen können sich vermehren und in seltenen Fällen auch in den Blutkreislauf gelangen. Besonders kritisch ist das zu sehen, wenn während der Herstellung pathogene Erreger durch Verunreinigungen in Produkte gelangen.
Das National Center for Complementary and Integrative Health weist darauf hin, dass Probiotika bei gesunden Menschen meist nur milde Verdauungsbeschwerden verursachen, bei schwerkranken oder immungeschwächten Personen aber höhere Risiken bestehen können.
Für wen sind Probiotika nicht geeignet?
Nicht jede Person sollte Probiotika ohne Rücksprache einnehmen. Besonders bei geschwächtem Immunsystem oder schwerer Erkrankung ist Vorsicht notwendig.
Die European Paediatric Association und andere Fachgesellschaften für Kinder- und Jugendmedizin raten zu besonderer Vorsicht bei bestimmten vulnerablen Gruppen. Dazu gehören Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht unter 1000 g, immunsupprimierte Patientinnen und Patienten, kritisch kranke Kinder, Kinder mit zentralem Venenkatheter, Kinder mit Herzklappenerkrankungen und Kinder mit Kurzdarmsyndrom. Dokumentiert sind seltene Fälle, bei denen es bei gefährdeten Gruppen zu schweren Vorfällen durch eine Probiotika-Sepsis kam.
Auch Erwachsene sollten Probiotika nicht unkritisch einnehmen, wenn schwere Grunderkrankungen bestehen. Vorsicht gilt besonders bei stark geschwächtem Immunsystem, laufender Chemotherapie, schwerer akuter Erkrankung, intensivmedizinischer Behandlung, zentralem Venenkatheter, künstlichen Herzklappen, schwerer Darmerkrankung, Kurzdarmsyndrom oder nach größeren Operationen am Magen-Darm-Trakt. In diesen Situationen können lebende Mikroorganismen in seltenen Fällen Infektionen auslösen oder problematisch werden. Bei gesunden Erwachsenen gelten viele Probiotika zwar als gut verträglich, dennoch sollte bei chronischen Erkrankungen, Schwangerschaft, Stillzeit oder regelmäßiger Medikamenteneinnahme vorab ärztlich oder pharmazeutisch beraten werden.
Es besteht eine deutliche Warnung vor der Selbstmedikation mit Probiotika bei Risikogruppen. Eine ärztliche Beratung wird dringend empfohlen.
Probiotika in Lebensmitteln: gut zu wissen für die tägliche Anwendung
Lebensmittel mit lebenden Kulturen können die Ernährung sinnvoll ergänzen. Sie ersetzen aber keine gezielte medizinische Behandlung und sind nicht automatisch mit probiotischen Präparaten gleichzusetzen.
Probiotische Bakterienkulturen sind in vielen fermentierten Milchprodukten enthalten. Joghurt ist von Natur aus reich an Laktobazillen und Bifidobakterien. Es gibt außerdem die Möglichkeit, über fermentierte Gemüsesorten wie Sauerkraut oder Kimchi natürliche Mikroorganismen aufzunehmen. Vergleicht man die Aufnahme über Nahrungsmittel mit einer Aufnahme über Supplemente, können beide Ansätze positive Effekte haben. Durch die sehr heterogene Studienlage kann man jedoch keine allgemein gültige Aussage darüber treffen, was besser ist.
Lebensmittelliste mit prä- & probiotischen Bakterienkulturen:
- Joghurt mit lebenden Kulturen
- Kefir
- Sauerkraut
- Kimchi
- Miso
- Tempeh
- Kombucha
- Artischocken
- Knoblauch und Zwiebeln
- Spargel
- Bananen und Kochbananen
- gekochte und abgekühlte Kartoffeln
- kalter Reis
- Kuhmilch und Muttermilch
- Lauch
- Gerste
- Hülsenfrüchte
Infobox: Probiotisch oder präbiotisch?
Fermentierte Lebensmittel können lebende Mikroorganismen enthalten. Präbiotische Lebensmittel enthalten dagegen vor allem Ballaststoffe oder andere unverdauliche Bestandteile, die „guten“ Darmbakterien als Nahrung dienen können. Artischocken, Zwiebeln, Lauch, Spargel, Hülsenfrüchte, kalte Kartoffeln und kalter Reis sind deshalb eher als präbiotisch einzuordnen.
Welche probiotischen Bakterienstämme gibt es?
Probiotische Bakterienkulturen lassen sich nicht allein nach der Bakterienart beurteilen. Entscheidend ist der genaue Bakterienstamm, da selbst Stämme derselben Art unterschiedliche Eigenschaften haben und im Körper verschieden wirken können. Deshalb ist es wichtig, in Studien, Produktangaben und Empfehlungen nicht nur Begriffe wie Lactobacillus oder Bifidobacterium zu betrachten, sondern die vollständige wissenschaftliche Bezeichnung inklusive Stammkennzeichnung.
Ein wichtiger Hintergrund: Im Jahr 2020 wurde die frühere Gattung Lactobacillus auf Basis moderner Genomstudien wissenschaftlich neu geordnet und in 25 neue Gattungen aufgeteilt. Dadurch hat sich bei vielen bekannten probiotischen Arten der erste Teil des wissenschaftlichen Namens geändert. In der folgenden Tabelle werden diese neuen Bezeichnungen berücksichtigt, damit ältere und aktuelle Namen besser eingeordnet werden können.
Welche probiotischen Bakterienstämme gibt es?
Probiotische Bakterienkulturen lassen sich nicht allein nach der Bakterienart beurteilen. Entscheidend ist der genaue Bakterienstamm, da selbst Stämme derselben Art unterschiedliche Eigenschaften haben und im Körper verschieden wirken können. Deshalb ist es wichtig, in Studien, Produktangaben und Empfehlungen nicht nur Begriffe wie Lactobacillus oder Bifidobacterium zu betrachten, sondern die vollständige wissenschaftliche Bezeichnung inklusive Stammkennzeichnung.
Ein wichtiger Hintergrund: Im Jahr 2020 wurde die frühere Gattung Lactobacillus auf Basis moderner Genomstudien wissenschaftlich neu geordnet und in 25 neue Gattungen aufgeteilt. Dadurch hat sich bei vielen bekannten probiotischen Arten der erste Teil des wissenschaftlichen Namens geändert. In der folgenden Tabelle werden diese neuen Bezeichnungen berücksichtigt, damit ältere und aktuelle Namen besser eingeordnet werden können.
Tabelle der alten und neuen Bakteriennamen (Auswahl)
Bisheriger (alter) Name Neuer wissenschaftlicher Name
Lactobacillus acidophilus -> Lactobacillus acidophilus (unverändert)
Lactobacillus casei -> Lacticaseibacillus casei
Lactobacillus delbrueckii -> Lactobacillus delbrueckii (unverändert)
Lactobacillus fermentum -> Limosilactobacillus fermentum
Lactobacillus gasseri -> Lactobacillus gasseri (unverändert)
Lactobacillus helveticus -> Lactobacillus helveticus (unverändert)
Lactobacillus paracasei -> Lacticaseibacillus paracasei
Lactobacillus plantarum -> Lactiplantibacillus plantarum
Lactobacillus reuteri -> Limosilactobacillus reuteri
Lactobacillus rhamnosus -> Lacticaseibacillus rhamnosus
Lactobacillus salivarius -> Ligilactobacillus salivarius
Bei probiotischen Kulturen wird häufig auch Saccharomyces boulardii genannt. Dabei handelt es sich jedoch nicht um ein probiotisches Bakterium, sondern um eine probiotische Hefe. Sie wird vor allem im Zusammenhang mit akutem Durchfall, Reisedurchfall und Antibiotika-assoziiertem Durchfall untersucht. Anders als viele Milchsäure- oder Bifidobakterien kommt Saccharomyces boulardii nicht typischerweise in alltäglichen fermentierten Lebensmitteln vor, sondern wird meist über spezielle Präparate aufgenommen.
Worauf soll man beim Kauf von Präparaten mit probiotischen Bakterien achten?
Ein gutes Präparat mit probiotischen Bakterien sollte transparent beschriftet sein. Verbraucher sollten erkennen können, welche Stämme enthalten sind, wie hoch die Dosierung ist und für wen das Produkt geeignet ist.
Wichtig beim Kauf von Probiotika-Präparaten sind eine genaue Bezeichnung und Beschriftung der Bakterienstämme. Entscheidend sind Gattung, Spezies und Stamm. Auch die Aktivität der Bakterien sollte auf der Verpackung erkennbar sein. Diese wird in koloniebildenden Einheiten (KBE) angegeben.
Darüber hinaus sollten Präparate gewählt werden, die möglichst keine unnötigen Zusatzstoffe enthalten. Dazu gehören je nach Verträglichkeit Gluten, Laktose, Farbstoffe, Süßstoffe und Aromen. Bei Allergien oder Unverträglichkeiten sollte die Zutatenliste besonders sorgfältig geprüft werden.
Beim Kauf sind folgende Punkte hilfreich:
- vollständige Stammbezeichnung mit Gattung, Art und Stamm
- klare Beschreibung (ob es sich um ein Monopräparat mit nur einem Bakterienstamm oder um ein Multistamm-Präparat handelt)
- klare Tagesdosis
- KBE-Angabe pro Tagesdosis
- am besten eine hohe Dosierung (mindestens 1 bis 10 Milliarden KBE)
- klare Hinweise zur Lagerung (da manche probiotischen Bakterienstämme gekühlt aufbewahrt werden sollen)
- altersgerechte und praktische Darreichungsform, z. B. flüssig für Kinder
- nachvollziehbarer Einsatzbereich bzw. Zielgruppe
- keine übertriebenen Heilversprechen
- sinnvolle Zusammensetzung: synergistische Stämme, Ergänzung mit Mikronährstoffen wie B-Vitamin, oder Präbiotika
- frei von unerwünschten Zusatzstoffen und Allergenen
- Präparate sollten enterisch beschichtet, also magenresistent sein, um die Passage durch den Magen zu überstehen. In nicht beschichteten Tabletten oder Kapseln sind probiotische Kulturen durch die sauren Magenbedingungen nicht ausreichend überlebensfähig.
- Einhaltung hoher Qualitätsstandards im Herstellungsprozess und klare Herkunft der Präparate
- Resistenz gegen Antibiotika bei einer Antibiotikatherapie
- hohe Stabilität der Mikroorganismen im Präparat
- garantierte Keimzahl bis zum Mindesthaltbarkeitsdatum
- Schutz vor Feuchtigkeit und vorzeitiger Aktivierung der Bakterien
- Licht- und luftdichte Verpackung, z. B. Einzelverpackung als Blister
Das Produkt passend zum Anlass auswählen
Probiotika sollten gezielt und nicht wahllos ausgewählt werden. Ein Präparat, das in Studien im Zusammenhang mit Antibiotika-assoziiertem Durchfall untersucht wurde, ist nicht automatisch auch für Reizdarm, Säuglingskoliken oder das vaginale Mikrobiom geeignet. Entscheidend sind der untersuchte Stamm, die Zielgruppe und der konkrete Studienkontext.
„Mehr Stämme“ bedeutet nicht automatisch besser
Multistamm-Probiotika können sinnvoll sein, wenn die konkrete Kombination untersucht wurde. Eine hohe Anzahl verschiedener Stämme ist aber kein Qualitätsmerkmal für sich. Auch eine besonders hohe KBE-Zahl, also die Menge koloniebildender Einheiten, bedeutet nicht automatisch eine bessere Wirkung. Wichtiger ist, ob die Zusammensetzung zum gewünschten Einsatzbereich passt.
Infobox: Nahrungsergänzungsmittel sind keine Arzneimittel
Nahrungsergänzungsmittel mit probiotischen Bakterienstämmen sind keine Arzneimittel und dürfen keine Heilung oder Behandlung von Krankheiten versprechen. Gesundheitsbezogene Angaben auf Lebensmitteln sind in der EU reguliert und dürfen nur verwendet werden, wenn sie zugelassen sind. Diese Präparate mit ausgewählten probiotischen Bakterienstämmen können in Apotheken oder Online-Apotheken rezeptfrei gekauft werden.
Darmflora und probiotische Bakterien bewusst unterstützen
Die Darmflora lässt sich nicht dauerhaft durch ein einzelnes Präparat „aufbauen“. Langfristig entscheidend sind Ernährung, Lebensstil und ein gezielter Umgang mit probiotischen Bakterienkulturen.
Unser Darm spielt eine zentrale Rolle in unserer Gesundheit. Er entwickelt sich im Kindesalter, und wir können sein Mikrobiom mit ballaststoffreichen, pflanzlichen und fermentierten Lebensmitteln ein Leben lang unterstützen. Wichtig ist zu verstehen, dass die Effekte von probiotischen Mikroorganismen stammspezifisch sind und nicht jedes Probiotikum gleich gut bei bestimmten Beschwerden hilft.
Studien haben gezeigt, dass probiotische Bakterienkulturen in bestimmten Situationen ihre Berechtigung haben und als zusätzliche Maßnahme etablierte Therapien ergänzen können. Die aktuelle Studienlage ist jedoch sehr unübersichtlich und heterogen. Für eine gute Darmgesundheit empfiehlt sich bei Kindern und Erwachsenen eine Ernährung mit Vollkornprodukten, Obst, Gemüse und Ballaststoffen. Fettreiche und zuckerreiche Lebensmittel sollten nicht den Hauptteil der Ernährung ausmachen. Vor der Verwendung von Präparaten sollte insbesondere bei Kindern, Schwangeren, Stillenden und Menschen mit Vorerkrankungen ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin erfolgen.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Erwachsenen mindestens 30 g Ballaststoffe pro Tag. Ballaststoffe beeinflussen unter anderem Stuhlvolumen, Transitzeit, Sättigung und können präbiotisch wirken.
Probiotika
mehr9 praktische Tipps zur Unterstützung der Darmflora
1. Täglich ballaststoffreiche Lebensmittel essen
Präparate mit probiotischen Bakterienstämmen ersetzen keine darmfreundliche Ernährung. Ballaststoffreiche Lebensmittel wie Vollkornprodukte, Haferflocken, Hülsenfrüchte, Gemüse, Obst, Nüsse und Samen liefern Nährstoffe für die Darmmikrobiota.
2. Ballaststoffe langsam steigern
Wer bisher wenig Ballaststoffe isst, sollte die Menge schrittweise erhöhen. So lassen sich Blähungen und Bauchdruck oft reduzieren.
3. Ausreichend trinken
Ballaststoffe brauchen Flüssigkeit, damit sie im Darm gut quellen können. Besonders bei mehr Vollkorn, Hülsenfrüchten oder Samen ist ausreichendes Trinken wichtig.
4. Fermentierte Lebensmittel einbauen
Joghurt mit lebenden Kulturen, Kefir, Sauerkraut, Kimchi, Miso oder Tempeh können den Speiseplan ergänzen.
5. Probiotische Bakterienstämme gezielt statt wahllos verwenden
Ein Präparat sollte zum Anlass passen. „Mehr Stämme“ oder eine besonders hohe KBE-Zahl bedeuten nicht automatisch eine bessere Wirkung. Lassen Sie sich in der Apotheke beraten, bevor Sie eine Kur mit Probiotika anfangen.
6. Probiotika mit Präbiotika kombinieren
Einige Produkte mit probiotischen Kulturstämmen enthalten zusätzlich Präbiotika – also Ballaststoffe, die bestimmten „guten“ Darmbakterien als Nährstoffquelle dienen können.
7. Bei Antibiotika frühzeitig fachlich beraten lassen
Probiotische Darmbakterien werden häufig im Zusammenhang mit Antibiotikatherapien untersucht, besonders im Hinblick auf Antibiotika-assoziierten Durchfall. Ob ein Präparat sinnvoll ist, hängt jedoch vom Antibiotikum, der Person, dem Alter und dem Gesundheitszustand ab. Es soll aber rechtzeitig, häufig schon während der Antibiotikotherapie, eingenommen werden. Besonders bei Kindern, älteren Menschen, Schwangeren oder Menschen mit geschwächtem Immunsystem sollte die Auswahl ärztlich oder pharmazeutisch begleitet werden.
8. Warnzeichen ernst nehmen
Alle untypischen Symptome, wie Blut im Stuhl, Fieber, starker Durchfall, anhaltende Bauchschmerzen oder Gewichtsverlust sollen ärztlich abgeklärt werden.
9. Darmgesundheit langfristig denken und an Vorsorge denken
Schlaf, Bewegung, Stressreduktion, vielseitige Ernährung und ein bewusster Umgang mit Antibiotika sind langfristig wichtiger als eine dauerhafte unspezifische Probiotika-Einnahme. Nehmen Sie auch an den von Ihrer Krankenkasse vorgeschlagenen präventiven Darmuntersuchungen teil. Das ist für die Darmgesundheit sehr wichtig.
Häufige Fragen zu Probiotika
Wie unterscheiden sich Probiotika von natürlichen Quellen?
Lebensmittel mit lebenden Kulturen und probiotische Präparate können beide Mikroorganismen liefern. Präparate enthalten jedoch meist definierte Stämme in festgelegter Dosierung. Lebensmittel liefern zusätzlich Nährstoffe und können Teil einer darmfreundlichen Ernährung sein. Nicht jedes fermentierte Lebensmittel ist automatisch ein wissenschaftlich geprüftes Probiotikum.
Sind Probiotika für Erwachsene täglich sinnvoll?
Eine tägliche Einnahme von probiotischen Bakterienkulturen ist nicht für alle Erwachsenen notwendig. Sinnvoll kann sie in bestimmten Situationen sein, zum Beispiel begleitend zu einer Antibiotikatherapie oder bei einzelnen Beschwerden, für die ein bestimmter Stamm untersucht wurde. Für die langfristige Darmgesundheit sind Ernährung, Ballaststoffe und Lebensstil wichtiger als eine dauerhafte unspezifische Einnahme.
Können Erwachsene ihre Darmflora nach Antibiotika wieder aufbauen?
Die Darmflora erholt sich nach Antibiotika häufig schrittweise von selbst, kann aber vorübergehend verändert sein. Unterstützend können ballaststoffreiche Lebensmittel, fermentierte Produkte und in bestimmten Fällen ein geeignetes Probiotikum helfen. Bei schwerem oder anhaltendem Durchfall sollte ärztlich abgeklärt werden, ob eine behandlungsbedürftige Ursache vorliegt.
Wann sind Probiotika bei Kindern sinnvoll?
Bestimmte Probiotika-Bakterienstämme können in manchen Situationen unterstützend wirken, sollten aber nie die alleinige Therapie sein. In verschiedenen Bereichen wird aktuell noch geforscht. Daher gibt es bei vielen Erkrankungen nur Hinweise auf eine Wirksamkeit und keine direkte Empfehlung. Besser belegt ist der Einsatz bei bestimmten Formen von antibiotikaassoziiertem Durchfall und in ausgewählten Situationen bei Säuglingskoliken, vor allem bei gestillten Kindern.
Welche Risiken gibt es?
Probiotika sind lebende Bakterien oder Hefen, gelten aber bei gesunden Menschen allgemein als gut verträglich. Bei Frühgeborenen sowie beiKindern und Erwachsenen mit bestimmten Vorerkrankungen ist Vorsicht geboten. Mögliche Nebenwirkungen sind Hautausschläge, Übelkeit, Blähungen und Verstopfung. Vor der Anwendung von Präparaten mit probiotischen Mikroorganismen sollte bei Kindern ein ärztliches Beratungsgespräch erfolgen.
Woran erkennt man ein gutes Probiotikum für Erwachsene?
Ein gutes Präparat nennt die enthaltenen Stämme genau, gibt die Menge in KBE pro Tagesdosis an, enthält klare Lagerungs- und Einnahmehinweise und macht keine überzogenen Heilversprechen. Wichtig ist außerdem, dass der eingesetzte Stamm zum gewünschten Anwendungsbereich passt.
Welche Nebenwirkungen können Probiotika auf den Darm haben?
Bei gesunden Menschen sind Probiotika meist gut verträglich. Mögliche Nebenwirkungen im Darm sind vor allem Blähungen, vermehrte Gasbildung, Bauchgrummeln, Völlegefühl, weicher Stuhl, vorübergehender Durchfall oder seltener Verstopfung. Diese Beschwerden entstehen häufig, weil sich die mikrobielle Aktivität im Darm vorübergehend verändert. Meist sind die Symptome mild und klingen nach einigen Tagen wieder ab.
Bei starken Bauchschmerzen, Fieber, Blut im Stuhl, schwerem Durchfall oder Beschwerden über mehrere Tage sollte das Präparat abgesetzt und ärztlich abgeklärt werden. Bei schwer kranken oder immungeschwächten Menschen können Probiotika selten auch ernstere Risiken haben.
Wie lange dauert es, bis Probiotika im Darm wirken?
Das hängt vom Stamm, der Dosis, dem Anwendungsgrund und der individuellen Darmflora ab. Erste Verdauungsreaktionen wie Blähungen oder ein veränderter Stuhl können nach wenigen Tagen auftreten. Bei antibiotikaassoziiertem Durchfall ist die Einnahme oft schon während der Antibiotikatherapie relevant. Bei reizdarmähnlichen Beschwerden lässt sich eine Wirkung häufig eher nach zwei bis vier Wochen beurteilen.
Probiotika wirken nicht wie ein Schmerzmittel sofort. Viele probiotische Mikroorganismen siedeln sich auch nicht dauerhaft im Darm an, sondern wirken eher vorübergehend, während sie den Darm passieren. Deshalb ist die regelmäßige Einnahme über den empfohlenen Zeitraum wichtig.
Wie reagiert der Darm auf Probiotika?
Der Darm kann auf probiotische Bakterienstämme auf mehreren Ebenen reagieren. Probiotische Mikroorganismen können mit ungünstigen Keimen um Nährstoffe und Andockstellen konkurrieren. Einige Stämme bilden Stoffwechselprodukte, die das Darmmilieu beeinflussen können. Andere können Signale an Immunzellen geben oder die Darmbarriere unterstützen.
Am Anfang kann der Darm mit Blähungen, Bauchgrummeln oder verändertem Stuhl reagieren. Das ist meist vorübergehend. Die Wirkung ist aber nicht bei jedem Menschen gleich. Probiotika wirken stamm-, dosis- und personenspezifisch. Deshalb sollte ein Präparat immer zum konkreten Ziel passen und nicht pauschal als allgemeiner „Darmflora-Aufbau“ verstanden werden.